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Garage Im Studio

Radio Brennt #128 feat. The Courettes

The Courettes are our all time favourite Garage Punk Power Couple from Brazil and Denmark. During Quarantine they worked hard on the sound of their third album “Back in Mono” which is praised as a masterpiece by a lot of critics all around the world. In our interview we seak about how they achieved to recreate Phil Spectors Wall of Sound and mix it with their own special Garage Vibe.

Tracklist:

  1. Radio Brennt! – Die Ärzte
  2. Misfits & Freaks – The Courettes
  3. Until You’re Mine – The Courettes
  4. River Deep Mountain High – Ike & Tine Turner
  5. I Put A Spell On You – Screamin’ Jay Hawkins
  6. R.I.N.G.O – The Courettes
  7. Edge of My Nerves – The Courettes
  8. Hop The Twig – The Courettes

German Voice Over Version of The Interview:

Keine Lust zu hören? Hier ist das komplette Interview als deutscher Text:

Alex (1): Willkommen zu einer neuen Folge von Radio Brennt! hier bei Tide.radio. Ich bin Alex und meine Co-Moderatorin für heute Abend ist Elena. Hallo Elena.

Elena (1): Hallo Alex. Und unsere Gäste für heute sind die Courettes.

Alex (2): Korrekt. Vor anderthalb Jahren haben wir sie zum ersten Mal getroffen. Die Courettes haben im Oktober ein neues Album herausgebracht. Es heißt „Back in Mono“ und wurde von vielen Kritikern auf der ganzen Welt als eines der besten Alben des Jahres 2021 gelobt. Und wir lieben es natürlich auch. Die Courettes spielten 2021 immer noch einundsiebzig Shows in neun Ländern, obwohl wir eine Pandemie hatten. Wenn Ihr auf das letzte Jahr zurückblickt, wie fühlt es sich an?

Flavia (1): Erstmal hallo Alex und hallo Elena, schön euch wieder zu sehen. Es ist schon eine Weile her, seit wir uns unterhalten haben, und die Pandemie ist leider immer noch da. Letztes Jahr war es ziemlich seltsam und besonders, weil es wirklich schlecht angefangen hat. Alle Shows für die ersten sechs Monate wurden abgesagt. Wir hatten absolut nichts zu tun. Ich glaube nicht, dass wir uns an eine Zeit in unserem Leben erinnern konnten, in der wir sechs Monate ohne Show hatten. Wir sind total eingerostet, aber wir haben unsere Zeit kreativ verbracht und uns intensiv mit dem Songwriting beschäftigt und unser neues Album „Back in Mono“ produziert und aufgenommen. Wir denken, dass es unser bisher bestes Album ist. Eigentlich sind wir sogar sicher, dass es unser bisher bestes Album ist. So wurde aus einem sehr seltsamen Jahr eines der besten Jahre unserer Karriere. Denn Ende Mai/Anfang Juni hat alles geöffnet. Wir haben unsere Shows immer wieder verschoben und es war wirklich anstrengend. Und dann, wie Ihr gerade sagtet, haben wir doch noch 71 Shows gespielt. Es waren eigentlich sogar elf Länder, weil wir Schottland und Wales nicht mitgezählt haben. Wir haben nur England gezählt und einige Leute haben sich darüber beschwert. Aber ja, wir haben es geschafft, 71 Shows zu spielen und wir haben zwei Singles und unser drittes Album herausgebracht. Die Leute haben wirklich gute Dinge über das Album gesagt, weil wir viel Energie und Liebe und viele Stunden in die Produktion dieses Albums gesteckt haben. Es war also trotz aller Widrigkeiten ein großartiges Jahr. Wir sind also ziemlich glücklich darüber.

Alex(3): Das verstehe ich total. Habt ihr also mehr Mühe in dieses Album gesteckt als in die vorherigen? Oder war es genauso viel?

Martin (1): Verglichen mit den ersten beiden Alben verbrachten wir bei Back in Mono mehr Zeit mit Songwriting und hatten auch diese Idee, diese große Phil-Spector Wall of Sound nachzubauen. Der Sound aus den Golden Star Studios. Wir haben viel daran gearbeitet und recherchiert und unser eigenes Aufnahmestudio gebaut, um dieses Album zu machen. Also ja, wir haben mehr an diesem Album gearbeitet. Wir haben viel Overdubbing gemacht, weil wir nur zwei Personen sind. Wir haben wirklich viel Zeit und viel Geld investiert, um dieses Album zu machen, ja.

Flavia (2): Aber es ist auch nicht nur mehr Arbeit, wir treffen Entscheidungen. Wir wollten ein Studioalbum machen und das Studio als Instrument nutzen und Overdubs zulassen. Denn vor allem für das erste Album haben wir uns Sorgen gemacht. Können wir die Songs live spielen? Und es war sehr roh. Wir gingen ins Studio und spielten einfach live mit minimalen Overdubs, was auch ein großartiges Statement war, und es hat sehr viel Spaß gemacht und wir sind stolz darauf. Aber jetzt haben wir das ganze Konzept geändert, wir wollten das Studio erkunden und wir wollten uns erlauben, mit Overdubs zu spielen. Also habe ich fünf Gitarren gespielt, sechs Gitarren, ich habe 10 Vocals gemacht, ich habe Harmonien gemacht und wir haben Klavier gespielt. Wir konnten experimentieren, weil wir herausgefunden haben, dass ein guter Song ein guter Song ist. Egal ob du 10 Gitarren oder eine Gitarre hast, ein guter Song muss für beide Seiten funktionieren. Also Studio ist Studio. Live ist Live. Und wir haben auf der letzten Tour fast das ganze Album live gespielt und sie funktionieren einfach. Ein guter Song ist ein guter Song. Mit einer Akustikgitarre oder einem ganzen Orchester Und das war wirklich ein Meilenstein. Wir hatten ein Konzept und es war ein Meilenstein im Vergleich zu den anderen Alben, ich meine, Nummer zwei hat bereits einige Hinweise, wohin wir gehen würden. Aber diesmal war es ein ganz anderer Ansatz.

Alex(4): Du hast gesagt, dass Ihr dafür viel recherchiert habt. Wart Ihr in der Bibliothek oder wie muss ich mir das vorstellen?

Martin(2): Wir hören viele Platten. Wir haben viel Phil Spector gehört. Viel Burt Berns und diese legendären Songwriter der Sechziger und ihre ganze Community. In der Recherche haben wir viel von den Ronettes und Shirelles und den anderen fantastischen Girlgroups der sechziger Jahre gehört.

Flavia (3): Beim Songwriting wird auch mehr aufgepasst. Und im Studio. Als wir Sachen für das Studio gekauft haben, haben wir viel recherchiert, welche Mikrofone besser klingen, wie wir ein Echo Chamber bauen könnten. Wir haben ein echtes Echo Chamber gebaut. Das nennen wir Recherche. Wir haben das Studio 2019 gebaut, also war Corona nur ein komischer Zufall, aber es war nur ein Teil des Prozesses, weil wir mehr Stunden im Studio verbringen konnten. Sonst war es immer so, dass die Zeit tickt, Du musst so schnell wie möglich aufnehmen und wieder raus aus dem Studio. Jetzt hatten wir einfach etwas mehr Ruhe und Zeit zu recherchieren und zu sehen, lass uns einfach auf den Knopf drücken und sehen, was passiert. Ok, das klingt wie Scheiße. Verstehst du, was ich meine? Auch nennen wir Recherche.

Alex(5): Okay cool. Hören wir uns eines der Ergebnisse Eurer Forschung an. Beginnen wir mit der neuen Single „Misfits and Freaks“.

Flavia (4): Klingt nach einer guten Idee.

Elena (2): Das war „Misfits and Freaks“ von den Courettes hier bei Radio Brennt bei Tide.radio. Und wir haben wirklich tolle Gäste heute, die Courettes aus Dänemark. Das war ein neuer Track von Eurem neuen Album „Back in Mono“ und alle diese Songs klingen wirklich großartig und einzigartig und Ihr habt uns jetzt etwas über die Arbeit an Eurem neuen Album erzählt und dass Ihr Euch verändert habt, was die Art zu arbeiten angeht und was die Erfahrungen waren. Wie schreibt Ihr eigentlich Songs? Was sind die Themen der Texte und wie ist der Prozess abseits vom technischen Kram?

Flavia (5): Lasst uns das anhand des Songs gerade mal zeigen. Ich denke, der hat eine gute Geschichte mit dem Text. Im März 2020 haben wir in Frankreich gespielt, als die ganze Pandemie ausbrach. Wir waren mitten in einer Tournee in Frankreich und spielten am letzten Tag, bevor der Lockdown kam. Ich meine, der Lockdown kam um Mitternacht und wir spielten gegen neun, also war es ein sehr bittersüßer Abend. Wir wissen jetzt, was ein Lockdown ist, aber damals war es absolut Science Fiction. Es war sehr seltsam, das zu erleben. Von diesen Begriffen hatte noch niemand etwas gehört. Also wollten die Leute an diesem Abend unbedingt eine tolle Zeit haben, weil niemand wusste, was als nächstes passieren würde. Wir waren absolut besorgt was diese ganze Community angeht. Du kennst all diese Außenseiter und Freaks. Man fragt sich wie all die kleinen Veranstaltungsorte und die Nischenmusik und die Bands in der Isolation überleben werden. Wir haben also aus unserer Sicht ein bisschen den Anfang der Pandemie behandelt. Die alte Welt, die wir kannten, das Leben, von dem wir wussten, dass es nun endete. So hatten wir das letzte Essen mit dem Promoter, weil wir am nächsten Tag in Isolation mussten. Ich meine, es war eine sehr seltsame Zeit und sie ist immer noch seltsam. Ich glaube, darüber haben wir geschrieben. Aber was den Text betrifft, so haben wir das auch von den Sechziger-Jahre Songwritern wie Burt Berns gelernt. Wir hatten einige sehr schwere Schicksalsschläge. Wir haben während das Album entstand, viele Leute verloren. Familie, Freunde und Menschen die uns nahe standen aber wir wollten nicht nur traurige Lieder über den Tod schreiben. Dann haben wir sie als Liebesgeschichten getarnt, die böse enden. Zum Beispiel bei Hop the Twig, es klingt positiv aber es handelt vom Tod. Aber so, dass die Leute es in einem Tanzclub genießen können. Also, wenn Sie nur ein bisschen über den Text nachdenken, kann er viele, viele Bedeutungen haben. Wie bei Burt Berns zum Beispiel bei „Take another piece of my heart“ da denkt man es ist nur eine Liebesgeschichte, bei der jemand sein Herz verschenkt, aber er spricht tatsächlich über sein Herzleiden und er wusste, dass er jung sterben würde. Die Songs haben also alle eine kleine dunkle Seite, sind aber meistens als Liebesgeschichten getarnt.

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Garagenrock mit Girlgroups zu verschmelzen, die unsere Lieblingsmusikgenres sind. Auf unserem zweiten Album hatten wir den Song „Time is ticking“, wir hatten einige Songs, die in diese Richtung gingen. Aber jetzt haben wir das Rezept gefunden, die beiden Musikgenres zu mischen. Ich glaube, wir haben uns etwas Originelles einfallen lassen.

Elena (3): Auf jeden Fall, als ich das Album zum ersten Mal hörte, dachte ich, dass jeder Song einzigartig ist und wenn ich zum Beispiel das hier höre, ist es so, als wäre der Text wirklich ernst, aber es ist mehr als tanzbar. Ich mag den Song „Until you’re mine“, weil er sehr dunkel beginnt und ein bisschen jazzig und bluesig wird und dann diesen Quentin-Tarantino-Vibe bekommt, den ich wirklich mag. Du gehst zu deiner Arbeit und dann bist du wie auf dem Weg in diesem Stil von Quentin Tarantino.

Martin(3): Das ist bei weitem der Song mit dem größten Tarantino-Vibe. Es endet als ein totaler Rache-Song wie eine Szene aus einem Tarantino-Film, in der jemand die perfekte Rache bekommt.

Flavia (6): Es ist ein psychotischer Love-Song. Und wie Du sagtest, denke ich, dass sich die Songs sehr voneinander unterscheiden. Und darauf sind wir auch stolz. Wir wollen nicht immer wieder dasselbe Album machen. Bei manchen Bands wie AC/DC ist es immer wieder dasselbe Album. Und wir lieben es, jeder liebt es und es ist großartig. Aber da wollen wir mit unserem nächsten Album nicht hin. Wir mögen die Herausforderung, besser zu werden und bessere Songs zu schreiben. Und bessere Musiker zu werden und irgendwohin zu gehen. Um eine Art Reise ins Unbekannte zu machen. Das begeistert uns.

Martin (4): Aber auch diese Nachbildung der authentischen Wall of Sound. Niemand hat das seit Phil Spector gemacht. Viele Leute haben es versucht, den Sound zu imitieren und nachzubilden. Wir haben viel recherchiert, wir haben viel gearbeitet, aber wir haben auch den perfekten Mann für das Mischen gefunden. Ein Typ namens Saki Sato in Tokio in Japan. Wir haben hier viele Produzenten und Mixer ausprobiert, aber er ist der einzige, der tatsächlich eine authentische Gold Star Studios Phil Spector Wall of Sound machen kann.

Flavia (7): Und ich denke, es ist wichtig zu sagen, dass wir bereit sind, Risiken einzugehen. Denn als wir das Album veröffentlichten, dachten wir, ok, vielleicht finden einige eingefleischte Garageheads das zu poppig. Wir haben getan, was wir für richtig hielten, und glücklicherweise lieben es die Leute. Aber es war ein großes Risiko. Risiken einzugehen ist cool, den Mut dazu zu haben das zu tun.

Martin (5): Ja, weil wir nicht wie die ganzen Garagenbands klingen wollen. Wir wollen nicht alle zwei Jahre das gleiche Album machen. Wir gehen nicht zu denselben Mixern wie alle anderen Bands. Das ist einfach langweilig. Bei allen Alben, die wir gemacht haben, haben wir nie eine offensichtliche Entscheidung getroffen, bei der Wahl des Mixers oder des Produzenten. Wir haben immer einen Außenseiter gefunden. Wir haben immer Leute gefunden, Künstler, die etwas konnten, was sonst niemand kann. Wir sind wirklich sehr stolz auf den Sound der Alben und ihren Stil. Es hebt uns von allen anderen ab.

Alex(6): Sollen wir uns noch ein Lied anhören, also Martin und Flavia, ihr seid heute für die Musikauswahl verantwortlich.

Flavia(8): Elena hat gerade „Until you‘re mine“ erwähnt, lasst uns mit „Until you’re mine“ weitermachen.

Alex (7): „Until you’re mine“ von den Courettes hier bei Radio Brennt bei Tide.radio. Wir haben die Courettes heute in unserem virtuellen Studio am anderen Ende des Internets. Ihr habt gerade gesagt, dass Saki Sato der Produzent dieses Albums war. Wie habt Ihr ihn kennengelernt und wie hat diese Zusammenarbeit funktioniert, denn ich glaube, er ist in Japan. Wart ihr dafür in Japan?

Martin (6): Zunächst einmal ist er der Mischer, der Produzent des Albums heißt Soeren Christensen. Er ist auch Songwriting-Partner von uns auf „Back in Mono“ und ein bisschen auch auf dem zweiten Album.

Flavia (9): Er ist von einer Band namens The Blue Van, er ist der Organist und Gitarrist von The Blue Van.

Martin (7): Saki Sato. Vor einigen Jahren haben wir ein Weihnachtslied mit dem Titel „Christmas I Can hardly Wait“ gemacht. Das wurde tatsächlich in Deutschland von Dennis Rux von den Yeah Yeah Yeah! Studios gemischt. Es war in dem Jahr, als es herauskam, auf irgendeiner „Best of Christmas“-Liste. Und vor oder nach uns war das einzige Lied, das wir auf dieser Liste sonst noch gehört haben, es war von einem Mädchen namens Soleil. Und Soleil war ein 15-jähriges japanisches Mädchen. Das Cover sah großartig aus und als wir es hörten, war es eine Offenbarung. Es war eine gigantische Wall of Sound, die aus unseren Lautsprechern kam. Der Klang, den wir für unsere Wall of Sound in diesem Weihnachtslied versucht haben, klang gut, aber es war keine richtige Wall of Sound. Und hier war es Soleil, ein japanisches Mädchen, das phantastisch klang. Ich war extrem angepisst, weil das der Sound war, den wir wollten. Drei Wochen lang war ich richtig sauer. Aber dann kam Hilfe in Form eines japanischen Blogs namens „Tokios coolest Sounds“. Ich habe viel gegoogelt und mit der Hilfe von dem Autor, Patrick, er hatte den Kontakt zu Saki Sato in Tokio. Und er kennt den Typen und sagte, hier ist er der Typ, der das gemischt hat. Und plötzlich kamen wir mit Yono in Kontakt, der Sakis Assistent ist. Die Songs gefielen ihm und plötzlich kam ein paar Tage später dieser phantastische Mix zurück mit diesem gigantischen Sound und einer authentischen Wall of Sound. Es klang großartig, es klang massiv. Genau das, was wir für das „Back in Mono“-Album wollten. Aber es klang ein wenig zu modern. Aber wir kennen auch einen sehr guten Mastering-Typen in Kopenhagen, von dem ich wusste, dass er den genauen Ton der Ronettes, Crystals und all diesen phantastischen Phil Spector Sound finden konnte. Zusammen mit Valentin haben wir also diese perfekt klingende Wall of Sound gefunden, die „Back in Mono“ ist.

Alex (8): Also ist es wirklich wie Teamwork?

Flavia (10): Ja, genau. Ohne Soeren und ohne Saki hätten wir es nie geschafft.

Alex (9): Wir haben viel über Phil Spector gesprochen, der Euer großes Vorbild in der Produktion ist. Hören wir uns das Original an. Habt Ihr ein Lied im Kopf? Eine Produktion von Phil Spector?

Martin (8): Was ist mit Ike & Tine Turner? River deep.

Flavia (11): River deep Mountain high. Wir hören viel Ike & Tine Turner. Aus der Zeit vor Phil Spector und mit ihm.

Elena (4): Also willkommen zurück bei Radio Brennt! Ihr habt River Deep Mountain High von Ike & Tine Turner gehört. Unsere Gäste für heute Abend sind The Courettes. Und wir haben viel über Musik und Technik geredet. Und ich würde gerne darüber sprechen, was Ihr neben Eurer Musik verkauft, also habe ich mir Euren Shop angesehen. Und es war wirklich lustig, weil Ihr viele außergewöhnliche Sachen anbietet. Wie Flavias Lippenstift und Malbücher, Gitarrenplektren mit netten Gesichtern darauf. Weihnachtsmusik. Das scheint sehr beliebt zu sein, weil viele Artikel ausverkauft sind. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, lustige Sachen zu verkaufen?

Martin(9): Ich mache das ganze Merchandise-Zeug. Wenn wir eine Band wären, die langweilige Sachen wie Coldplay macht, kannst du T-Shirts machen, du kannst nur langweilige Sachen machen. In der Garagenszene haben wir viel mehr Merch-Freiheit. Zum Beispiel hatte ich früher große Koteletten, also machten wir falsche Koteletten, die wir als Merch verkaufen konnten. Wir haben ein- oder zweimal einen Plattenspieler gemacht.

Flavia (12): 7-Zoll-Adapter. Aber ich denke, das Beste unter den Merch-Artikeln war bisher die Vodoo-Puppe. Wir hatten eine Single namens Voodoo Doll und ich kannte eine Frau aus Argentinien, die tatsächlich handgemachte Voodoo Puppen herstellt. Und wir dachten, das ist so toll, um die Single zu promoten, man macht eine Voodoo-Puppe und gibt die Songs dazu. Wir haben das nie genau so gemacht, aber wir haben die Voodoo-Puppe verkauft und die Leute konnten die Songs herunterladen, und es war ein erstaunlicher Erfolg. Wir dachten, wir würden 10 Voodoo-Puppen mit den Singles verkaufen und das war’s. Wir haben dreihundert Stück verkauft. Sie waren vor zwei Jahren ausverkauft und immer noch kommen Leute zu unseren Shows und fragen, ob wir neue Voodoo Puppen mitgebracht haben?

Elena (5): Ja, die müsst Ihr mitbringen. Es ist so lustig. Wie ein Voodoo-Leitfaden für Anfänger von den Courettes.

Flavia (13): Genau. Es war lustig, weil wir auch gelernt haben, dass das seltsame Zeug die Leute an den Merch-Tisch zieht. Und vielleicht kaufen sie einfach ein Album oder ein T-Shirt, das langweilige Zeug. Ich meine, darüber freuen wir uns, das ist überhaupt nicht langweilig. Sie kommen und sehen sich die Voodoo-Puppe an und sagen hahaha, das ist lustig, und dann kaufen sie die Schallplatten. Ein Mädchen, ich weiß nicht, wo wir in der Welt waren, sie hat die Puppe gekauft….

Martin (10): Sie war sauer auf ihren Ex-Freund. Und sie tötete diese Puppe sofort. Sie konnte es kaum erwarten. Ich habe einen absoluten Favoriten und es war nie ein Erfolg, ich glaube, wir haben nur ein Exemplar verkauft. Der Action-Schneemann. Denn als wir unser Weihnachtslied veröffentlichten, haben wir eine „Baue deinen eigenen Schneemann“-Actionfigur gemacht. Es ist eine Actionfigur mit viel Plastikschnee. Ich fand es extrem lustig

Flavia (14): Die Leute kommen und gucken und lachen, aber niemand hat es gekauft.

Elena (6): Vielleicht waren sie auch verwirrt, weil das so eine Nische ist…

Martin (11): Es war nie ein Erfolg aber es war einfach mein Humor. Und dann haben wir einmal eine Flavia Couri Beehive Perücke gemacht.

Flavia (15): Wir haben Patches, wir haben Pins, wir haben auch die normalen Sachen. Aber Platten und T-Shirts sind natürlich die Top-Seller. Aber wir lieben es, die seltsamen Sachen zu machen. Darüber reden die Leute. Wenn Ihr eine Courettes Voodoo Doll habt, verkauft sie sie bei ebay, die sind jetzt bestimmt wertvoll.

Alex (10): Weißt du, ob die Voodoo Puppe bei jemandem funktioniert hat?

Flavia (16): Wir haben es nie gewagt es auszuprobieren, aber das Mädchen dort war erleichtert.

Martin (11): Wir sind nicht abergläubisch, aber das ist auch irgendwie Hardcore mit den Religionen und all dem Zeug. Wenn da draußen jemand ist, lass es mich bitte wissen, ob es funktioniert hat. Und wende sie nicht bei uns an bitte.

Flavia (17): Benutzen auf eigene Gefahr. Je größer dein Glaube ist, desto besser sind die Ergebnisse. Es ist alles Kopfsache.

Alex (12): Fällt Euch ein Voodoo-Song ein, den wir jetzt spielen könnten?

Martin (12): Screaming Jay Hawkins wäre cool.

Alex (13): Ich habe auch gerade an ihn gedacht. Was sollen wir spielen? Den Klassiker?

Martin (13): Ja. I put a spell on you.

Alex (14): I put a spell on you, Screaming Jay Hawkins hier ist er.

Alex (15): ein absoluter Klassiker. Screamin Jay Hawkins. Hier bei Radio Brennt bei Tide Radio. Wir sind immer noch hier mit den Courettes. Bald können wir Euch hoffentlich wieder live sehen und ihr seid berühmt für eure explosive Bühnenshow. Ich erinnere mich an einen Teil, wo Flavia sich zu Martin rüber lehnt und ihr euch auf der Bühne küsst und das sieht so verdammt cool aus. Und da habe ich mich gefragt, wie viel von dieser Show geplant ist und wie viel spontan passiert?

Flavia (18): Es ist nicht so, dass wir uns hinsetzen und planen, dass wir dies und das tun….

Martin (14): Aber den Kuss genieße ich sehr.

Flavia (19): Aber wenn die Ideen gut sind, wiederholen wir sie. Aber es gibt immer Platz für das Unbekannte. Uns gefällt, dass wir eigentlich nie wissen, was passieren wird. Ich mag diese Gefahr. Wir lieben es, live zu spielen, es macht einen großen Teil des Spaßes aus. Ich denke, live zu spielen ist so eine Reise, es ist so eine große Energie, weil man Energie mit dem Publikum austauscht. Gerade bei unserer Musik ist die Beteiligung des Publikums so wichtig. Es wird einfach richtig wild. Viele Dinge planen wir nicht und sie passieren einfach. Und dann sehe ich Fotos und denke, wow, das war verrückt.

Alex (16): Das muss hart sein, wenn Leute im Sitzen zuschauen müssen. Wie war das aus Bühnensicht?

Flavia (20): Es ist scheiße. Na sicher. Ich glaube, als wir uns das letzte Mal trafen, war diese Tour in Deutschland, als die Leute sitzen mussten, oder? Exakt. Es war großartig, weil wir uns damals sehr darauf gefreut haben, endlich wieder live zu spielen. Also war es besser, wenn sich die Leute hinsetzen mussten, als gar keine Shows zu haben. Und ich glaube, die Leute haben das genauso empfunden. Aber es ist seltsam. Natürlich hätten wir lieber Leute, die schwitzen und tanzen und Stage Diving machen und auf eine ziemlich enge Art und Weise mit uns interagieren. Aber in dieser Zeit war es absolut besser als gar keine Shows zu spielen. Es gab immer noch eine Art Verbindung und die Leute taten das Beste, um auf ihren Plätzen zu tanzen. Es sind harte Zeiten, aber ich denke, gar keine Rockshows, gar keine Konzerte, das ist noch schlimmer. Aber natürlich freuen wir uns darauf, dass all diese Shows im Sitzen der Vergangenheit angehören. Sie machen nicht halb so viel Spaß. Aber dennoch können auch da einige unvorhersehbare Dinge passieren.

Alex (17): Eine Sache, die ich nicht gedacht hätte, Ihr habt letztes Jahr ein Highschool-Konzert gespielt, ich habe es auf Facebook gesehen. Wie kommt das?

Flavia (21): Die Jugend korrumpieren.

Martin (15): Jugend aufklären klingt besser. Wir lieben Kinder. Es gibt so viel schlechte Musik auf der Welt. Und so viele hören nur Scheiße auf Spotify, Scheiße im Radio und die großen Radiosender spielen immer mehr Mainstream, immer mehr Scheiße kommt raus. Die Leute werden immer dümmer. Es ist also eine gute Möglichkeit, den Kindern zumindest zu zeigen, dass es andere Arten von Musik auf der Welt gibt. Sie müssen nicht die beliebtesten Popkünstler hören. Sachen, von denen du nicht intelligenter wirst.

Flavia (22): Es ist sehr wichtig zu erwähnen, dass das Projekt wirklich großartig ist und seit vielen Jahren besteht. Wir waren das erste Mal dabei. Aber sie präsentieren alle Arten von Bands und alle Arten von Musik. Es ist nicht nur Garagenrock. Sie haben Jazzbands, sie haben elektronische Musiker oder Singer/Songwriter. Es ist absolut breit gefächert und ich denke, sie haben genau die Nicht-Plastik-Pop-Künstler ausgewählt, weil das die Kinder zu Hause nicht hören. Und wir haben in verschiedenen Orten gespielt – das waren keine Gymnasien, sondern Grundschulen. Die Kinder sind noch jünger und man sieht den Unterschied in den verschiedenen Schulen. Die sozialen und kulturellen Unterschiede. Viele Kinder waren einfach wie ausgeflippt. Es war eine großartige Erfahrung. Sie begannen im Sitzen, ziemlich schüchtern und sie wussten nicht, was sie erwartet. Und dann Bäm siehst du die Verwandlung. Beim letzten Lied tanzten sie auf den Tischen, unkontrollierbar von den Erwachsenen. Es war eine echte Revolution. Es war, als würde man bei den Kindern dort Revolutionssamen säen.

Martin (16): Ich habe bei dieser ganzen Tour etwas ganz Besonderes genossen. Immer wenn wir zu einer neuen Schule gingen, gab es immer so ein oder zwei Kinder, die entweder einsam waren oder nur zwei Leute, die Freunde waren, Kinder mit blauen Haaren oder Kinder mit Nirvana-T-Shirts. Man konnte sehen, dass sie die Außenseiter der Schule waren. Und Flavia und ich, sie in Brasilien und ich hier in Dänemark, wir waren auch die Außenseiter in all unseren Schulen. Wir waren auch die einsamen Kinder. Wir gingen zu ihnen und sagten, ok, Junge, du bist cool, du wirst ein großartiger Mensch werden. Du musst nicht wie die anderen sein. Das war die größte Freude der ganzen Tour. Zu diesen paar Kindern zu gehen und zu sagen: „Hey, du siehst absolut cool aus.

Flavia (23): Und ihnen auch eine Stimme zu geben. Wir fühlen uns wie sie und das ist ok. Deshalb finde ich es gut, dass sie diese Vorbilder haben. Sie müssen nicht mit allem mit gehen, was die Leute Ihnen sagen. Du kannst Musik machen, du kannst andere Kunstformen machen. Nur um ihren Horizont ein wenig zu erweitern. Ich denke, es war wirklich cool.

Alex (18): Toll, dass Ihr so was macht. Gibt es einen Ort, an dem Ihr in Zukunft gerne mal spielen möchtet, oder eine besondere Show die ihr gerne mal machen würdet? Ich dachte nur, das klang gerade ein bisschen so, wie als Johnny Cash nach St. Quentin kam.

Flavia (24): Das wäre geil, da hätte ich kein Problem zu spielen…

Martin (17): Die Kids waren nicht SO hardcore.

Flavia (25): Ich denke, dass wir gerne nach Japan gehen würden.

Martin (18): Wir sehen definitiv, dass Japan sich öffnet. In Japan kaufen sie wirklich viel die „Back in Mono“.

Flavia (26): Wir würden gerne auf der ganzen Welt spielen. Wir sind jetzt schon recht erfolgreich in Europa, also denke ich, dass es schön sein könnte, andere Teile der Welt kennenzulernen.

Alex (19): Hören wir uns noch einen Song Eures Albums an. Habt ihr etwas im Sinn oder soll ich wählen?

Flavia (27): R.I.N.G.O.

Alex (20): Ja, an Ringo habe ich auch gerade gedacht.

Martin (19): Eine Hommage an Richard Starkey.

Elena (7): Das war RINGO von den fabelhaften Courettes. Immer noch hier bei Radio Brennt! Sie haben ein wirklich schönes neues Album herausgebrach, dass ihr unbedingt kaufen müsst. Es gibt einen Track auf dem Album, der mir zwei Tage lang im Kopf geblieben ist. Ich weiß nicht warum. Vielleicht liegt es an der Situation. Ich denke, auf diesem Album gibt es für jede Stimmung, die man hat, einen Track. Und für mich ich hatte ich viel Stress bei der Arbeit und da war dieser Song „Edge of my nerves“ und ich denke, es geht darum, wenn man sich wirklich über jemanden ärgert. Ist es richtig?

Martin (20): Jemand war wirklich ein Arschloch. Also ja, wir haben diesen Song gemacht, wir wollen nicht zu viel darüber sagen. Aber er weiß genau, wer er ist.

Flavia (28): Wenn er zuhört, weiß er dass er gemeint ist.

Martin (21): Es ist ein großes Fick Dich.

Elena (8): Aber es macht dich glücklich, wenn du so einen schlechten Tag hast und dann sagst du „Hey Caveman“ Und dann ist alles besser. Also danke für dieses Lied.

Flavia (29): Funktioniert auch für uns. Songs über Dinge schreiben, die uns auf die Palme bringen. Es ist eine sehr gute Therapie und es scheint, als würden wir einen Abschluss für die Dinge bekommen, die uns stören. Und Trash Can Honey handelt eigentlich auch von der gleichen Dramatik. Und ich bin froh zu hören, dass es die gleichen therapeutischen Wirkungen auf Dich hat.

Elena (9): Definitiv.

Alex (21): Hören wir uns The Edge of my Nerves von The Courettes an.

Alex (22): The Edge of my Nerves. The Courettes. Radio Brennt bei Tide.radio. Die Courettes sind heute auch in unserem virtuellen Studio und ich habe auf Facebook gesehen, dass ihr gerade zwischen den Feiertagen im Dezember schon wieder im Studio wart. Können wir also bald mit neuen Sachen rechnen und wie werden die sein?

Flavia (30): Es ist das erste Mal, dass wir darüber sprechen. Im Juni kommt unsere EP mit den Überbleibseln von „Back in Mono“, weil wir einige Songs hatten, die es nicht auf das Album geschafft haben, sie waren damals noch nicht fertig. Und dann haben wir auch die B-Seiten der Singles, die wir veröffentlicht haben. Einige von ihnen sind nicht auf dem Album, zum Beispiel die B-Seite von Hop The Twig, „Only happy when you’re gone“. Und sie Single ist fast ausverkauft, also dachten wir, ok, wir wollen diese Songs nicht einfach wegwerfen, also werden es B-Seiten, Outtakes von Back in Mono, und wir haben zwei neue Songs aufgenommen, die wir nach Back in Mono geschrieben haben Ihr könnt also einige Outtakes und ein bisschen mehr vom Back in Mono-Universum erwarten. Kommt im Juni.

Martin (22): Und Hinweise, wohin es als nächstes geht.

Alex (22): Wo wird das sein?

Martin (23): Du musst die Platte kaufen Alex. Natürlich lieben wir den Spector-Sound, ich denke, das ist unser Sound. Also werden wir auf jeden Fall diesen Weg weiter gehen. Du kannst es auf dem bald erscheinenden Album mit den Back in Mono B-Sides hören.

Alex (23): Wo können wir das denn kaufen? Ich vermute, auf eurer Bandcamp-Website kannst du die Adresse vielleicht einmal erwähnen?

Martin (24): Der Vertrieb erfolgt über Cargo Germany.

Flavia (31): Ihr könnt auch auf die Website von Damage Goods gehen. Soundflat in Deutschland haben sie auch im Vertrieb.

Martin (25): Geht in euren Plattenladen um die Ecke, die brauchen die Unterstützung in diesen Scheißzeiten immer noch sehr. Geht dorthin. Wenn sie die Platte nicht haben, bin ich sicher, dass sie sie problemlos bestellen können.

Alex (24): Ihr könnt euch noch einen Song wünschen, aber vorher möchten wir Danke sagen, es ist fast das Ende der Show. Wir sehen uns bald live. Die Courettes kommen nach Deutschland. Ich denke, es macht keinen Sinn, irgendwelche Termine bekannt zu geben, weil es sich jede Minute ändern kann. Also vielen Dank und ein letztes Lied Ihr habt die freie Wahl eines letzten Liedes für die Show.

Flavia (32): Ich denke, wir sollten uns für Hop The Twig entscheiden.

Martin (26): Go for Hop the Twig yeah!

Alex (25): Vielen Dank und wir hören Hop the Twig. Die Courettes.